„Kann meine Stärken wieder ausspielen“

Das Mittwochs-Interview aus der Südwetspresse:

Fußball-Trainer Sven Hayer aus Cresbach erklärt im Gespräch, warum er zur neuen Runde den Kreisligisten SGAltheim-Grünmettstetten übernehmen wird.

 

Von Sascha Eggebrecht

 


 

Herr Hayer, wie ist es dazu gekommen, dass Sie nun einen Kreisligisten – die SG Altheim/Grünmettstetten – zur neuen Runde übernehmen werden?

Sven Hayer: Mathias Saier und Bernd Steimle kenne ich schon ewig. Beide haben mich in der Vergangenheit schon angerufen und vor ein paar Jahren gab es sogar schon mal ein Gespräch zwischen der Vereinsführung und mir. Doch damals hatte es noch nicht gepasst. Jetzt habe ich von Mathias wieder einen Anruf erhalten.


Warum haben Sie nun zugesagt?

Ich will einfach mehr Zeit für die Familie haben und nicht mehr den großen Aufwand für weite Fahrten zu den höherklassigen Vereinen haben.


Brauchten Sie Bedenkzeit, um das Angebot anzunehmen?

Nein, obwohl es auch Anfragen von Landesligisten gab. Denen habe ich aber gleich abgesagt.


Was reizt Sie an der Aufgabe?

Vor allem, dass die Kameradschaft zwischen den Spielern und mir wieder größer wird. Ich hatte bei den höherklassigen Vereinen in den vergangen neun Jahren oft Spieler, die schon geduscht und weg waren, als ich gerade vom Fußballfeld ins Vereinsheim kam. Da ist die Kameradschaft oft auf der Strecke geblieben. Mir ist es aber auch wichtig, mit den Spielern nach dem Training und den Spielen zusammenzusitzen. Zudem hat das Team das Zeug, in die Bezirksliga aufzusteigen.


Die Vereinsführung hat mitgeteilt, dass mit Ihrer Verpflichtung „einiges“ bewegt werden soll. Können Sie diese Aussage mal näher erläutern?

Ich soll die gute Arbeit, die Trainer Frank Wünsch bis jetzt gemacht hat, weiter ausbauen. Ich soll die Spieler weiterentwickeln und versuchen, den Aufstieg in die Bezirksliga zu schaffen.


Wann rechnen Sie mit der Rückkehr?

Das ist schwer zu sagen. Es wird aber auf jeden Fall mein Ziel sein, die Mannschaft in den nächsten zwei, drei Jahren ins Bezirksoberhaus zu führen. Ich will sicherlich nicht vier Jahre in der Kreisliga spielen. Ich werde mir in der Rückrunde einige Spiele der Altheimer ansehen, dann werde ich auch mehr wissen. Ich muss die Spieler vor allem auch richtig fitmachen. Ich habe vor etlichen Jahren mal Glatten trainiert. Wir waren sicherlich nicht die spielerisch beste Mannschaft, aber weil alle Spieler gut im Saft waren, konnten wir in der Liga oben mitspielen.


Zuvor haben Sie meist höherklassig trainiert, sogar die Stuttgarter Kickers A-Jugend in die Bundesliga geführt. Gibt es den Trainer Hayer nun in Zukunft nicht mehr in den höheren Ligen?

Das will ich nicht ausschließen. Aber ich bin jetzt in der Phase, in der ich etwas anderes machen möchte, zumal ich auch noch beim WFV und beim DFB in der Trainingsausbildung eingebunden bin. Für den DFB bin ich gerade in einer Projektgruppe. Dies macht mir sehr viel Spaß und nimmt auch viel Zeit in Anspruch.


Was sind die Ziele dieser Projektgruppe?

Dazu darf ich noch nichts sagen. Es ist noch nicht offiziell. Ich kann nur so viel verraten, es geht um die Entwicklung des Fußballs in Deutschland.


Was stimmt Sie optimistisch, dass Ihre Trainertätigkeit auch erfolgreich sein wird?

Ich kann bei der SG Altheim-Grünmettstetten meine Stärke ausspielen. Dort kann ich mehrüber das Team arbeiten. Dies ging zuletzt in Maichingen gar nicht, weil es dort viele Spieler gab, die dort nur gespielt haben, weil sie gutes Geld verdient haben. Dagegen herrscht jetzt schon in Altheim ein guter Teamgeist vor. Zudem habe ich von der B- bis in die Oberliga alles schon trainiert.


Immerhin gibt es aber auch Beispiele, in denen es nichtgeklappt hat, wenn ein ambitionierter Trainer eine unterklassige Mannschaft trainiert hat. Nehmen wir nur das Beispiel Harald Zimmermann, der in Rexingen wegen seines anspruchsvollen Trainings gescheitert war.

Mein Vorteil ist, dass ich immer an der Basis geblieben bin. Es wird bei mir in der Kreisligakeine 30-minütigen Videoanalysen geben. Sehr wohl werde ich aber die Heimspiele aufzeichnen lassen und den Spielern dann einige Frequenzen zeigen. Was haben sie gut, was nicht so gut gemacht. Vor allem denke ich, dass die jungen Spieler daran Interesse haben werden. Sie sind ja im digitalen Zeitalter aufgewachsen.


Heißt es somit, dass Sie als Coach einer Kreisliga-Mannschaft anders trainieren müssen als zum Beispiel einen Verbandsligisten?

Es ist auf jeden Fall erstmal der gleiche Sport. Nur sind die Ziele meist verschieden. Während der Verbandsligaspieler sich weiterentwickeln will, möchte ein Kreisligaspieler einfach nur Spaß haben und gar nicht unbedingt besser werden. Somit kann es auch mal sein, dass ich im Training die Jungs eine Stunde lang einfach nur kicken lasse. Es wird auf jeden Fall eine ganz andere Herausforderung für mich sein.

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